Ein großer Konflikt

Uns begegnet hier in Indien bei unseren Besuchen viel Berührendes, Hoffnung machendes. Wir sehen, wie sich Dorfgemeinschaften in wenigen Jahren entwickeln und mit unguten Traditionen brechen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, in dem Gleichberechtigung, Bildung und Gesundheit eine große Rolle spielen.

Aber wir erleben auch Menschen, denen es sehr schlecht geht und die sich in absolut hoffnungsloser Situation befinden.

Gestern haben wir ein Dorf besucht, das erst am Anfang einer Entwicklung steht. Andheri hat dort erst im letzten Jahr ein Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe“ gestartet.



Beim Gang durchs Dorf kam eine alte zierliche Frau auf uns zu und bat uns aufgeregt, zu ihrem Haus zu kommen. Dort brach sie in Tränen aus und konnte kaum sprechen.

Unser Dolmetscher hat uns die Situation erklärt.

Diese Frau hat drei erwachsene Söhne. Ein Sohn ist geistig behindert. Er ist aber mobil, und läuft oft weg, und seine Mutter weiß nicht wo er ist, und macht sich größte Sorgen. Aus diesem Grund kann sie sich nie entspannen, und schläft auch nachts immer nur mit einem wachen Auge. Die beiden anderen Söhne wohnen zwar mit ihren Familien im Dorf, aber sie haben sich abgewendet, es gibt keinen Kontakt. Ihr Ehemann ist sehr alt und bettlägerig. Diese Frau kann nicht arbeiten, weil sie sich 24 Stunden am Tag um ihren behinderten Sohn kümmern muss. Sie bekommt keinerlei Unterstützung. Weder von ihrer eigenen Familie noch von der Dorfgemeinschaft.


Diese Frau war völlig verzweifelt und am Ende ihrer Kräfte.

Sehr bedrückt sind wir aus diesem Dorf nach Hause gefahren. Wir haben uns dort zusammen gesetzt und da drüber gesprochen, wie wir damit umgehen können. Wir waren alle bewegt und berührt und die spontane Reaktion war, diese Frau finanziell zu unterstützen. Einer aus unserer Gruppe sagte sogar, wenn es möglich gewesen wäre, hätte er ihr vor Ort ein paar Scheine zugesteckt.

In diesem Gespräch wurde uns aber sehr schnell klar, dass wir das so nicht handhaben können. Der Frau würde es vielleicht ein paar Wochen gut gehen, aber dann wäre sie am selben Punkt angelangt.

Das Grundprinzip der Hilfe ist etwas anderes.. Die Andheri Hilfe beginnt ihre Projekte gemeinsam mit indischen Organisationen und mit Gesprächen mit den Menschen aus einem Dorf, in denen sie ein Projekt starten möchte. Sie motiviert die Menschen, ihr Leben selbst verbessern zu wollen. Nur mit dieser Eigenmotivation ist es möglich grundlegend etwas zu ändern. Wir haben das Jahr in dem Dorf Rawtpura erlebt. Eine funktionierende Dorfgemeinschaft wird auch eine solche Frau nicht zurücklassen.

Auf diese Art ist zwar keine schnelle konkrete Hilfe möglich, aber doch eine nachhaltige langfristige Verbesserung der Lebenslage viele Menschen und ganzer Gemeinschaften. Es war für uns sehr schwer zu erkennen, dass wir solche Situationen aushalten müssen. Wenn wir diese Frau jetzt konkret finanziell unterstützen, wird das auch Begehrlichkeiten und Neid in das Dorf tragen. Uns wurde gestern Abend klar, dass diese Reise uns auch ratlos und betroffen zurücklässt, in dem Wissen, dass man in vielen Situationen einfach nicht helfen kann.


Ich habe euch vor einigen Tagen von Vinita aus dem Dorf Samdai erzählt. Auch ihr Schicksal hat in uns den Reflex ausgelöst, ihr direkt eine Ausbildung zur Ärztin ermöglichen zu wollen. Aber auch das wäre nicht der richtige Weg


.Aber gestern Abend ist eine neue Idee geboren worden. Wie wäre es, wenn man zwei Fonds bilden würde. Der eine ist für die Ausbildung junger Menschen aus benachteiligten Dörfern gedacht, der andere ist dafür da, diejenigen Menschen zu unterstützen, die in ausweglosen Situationen leben müssen.

die Herausforderung ist dann, wer entscheidet wer Unterstützung Bekommt. Nach den Grundsätzen von Andheri können dass nur die Menschen in den jeweiligen Dörfern selbst sein. Unterstützen könnte sie eine Dachorganisationen, die von indischen Partnerorganisationen gebildet wird.


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Ich bin Karin Freist-Wissing, Musikerin,

im Februar 2020 fahre ich mit einer Delegation der Andheri-Hilfe Bonn nach Indien, um dort Menschen kennenzulernen und zu unterstützen, sich und ihren Familien ein selbstbestimmtes Leben aufbauen zu können.

Ich freue mich auf das Land und die Menschen in Indien.

Viel Freude mit meinem Blog www.karindien2020.com

 

 

 

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